2021-03-28Bern, SchweizTeufen, Schweizmale

Das Nasobem (1950)

Divertimento nach Gedichten von Christian Morgenstern
Entstehungsjahr
1950
Spieldauer ca.
15 Min.
Besetzungshinweis
für gemischten Chor a cappella
Uraufführung
St.Gallen, 1951, St. Galler Kammerchor unter Werner Heim
Informationen
Aufstellung:?Solistisch (im Vordergrund des Podiums). Auf dem Boden zur Linken des Cembalisten stehendie Flaschen, auf dem Tisch zu seiner Rechten liegen die Schlägel bereit.?? Handhabung:?Im Laufe des zweiten Satzes stellt der Cembalist die Flaschen in Klaviatur-Anordnung (Reihenfolge von rechts nach links: I II II IV) auf den Tisch. Sichtbarer Bewegungsablauf (ab Tischhöhe) und Abstellgeräusch genau nach Notentext.?? Begleittext im Programm der Uraufführung:? In dieser zweiteiligen Tafelmusik, deren Titel nicht von ungefähr an Stevensons «Dr. Jekyll and Mr. Hyde» erinnert, personifiziert der Komponist zwei widerstreitende Veranlagungen, welche (ach!) in seiner Brust wohnen: den Sinn für gesunde Ernährung (verkörpert vom Cembalo) und den Hang zur Feinschmeckerei (dargestellt vom Streichorchester). Die Variazioni frugali (Siebenmal Birchermüesli) sind denn auch durchaus als Loblied auf den schlichten Abwechslungsreichtum und die unverbrüchliche Bekömmlichkeit aufzufassen, die der altbewährten, auch international - etwa unter der Bezeichnung «Swiss Musely» - geschätzten Kreation unseres Ernährungsreformers innewohnen. Sozusagen als Schweizer Markenzeichen klingt hier immer wieder die Pastoralmelodie aus der Rossinischen Tell- Ouvertüre auf; ja, bei Licht besehen ist das variierte Tonmaterial daraus abgeleitet. Die Fantasia opulenta (Bei TISCH im HAUSE Rossini) hingegen schildert ein Souper in vier Gängen, wobei erst beim vierten Gang, einem birchermüesliartigen Nachtisch, Einmütigkeit zwischen Cembalo und Streichorchester zustande kommt. Im Unterschied zum ersten Satz herrscht hier Themenüberfluss. Als Bezugsmelodie jedoch dient ein Fragment aus «L'Italiana in Algeri», dessen Textschwerpunkte - Liebe, Schönheit, Scherz, Zärtlichkeit, Essen, Trinken, Schlafen - dem legendaeren Lebenskuenstler Rossini zweifellos aus der Seele gesprochen waren:? Fra gli amori e le bellezze,? fra gli scherzi e le carezze? dee dormire, mangiare e bere,? ber, dormire e poi mangiar.? Pappataci dee mangiar, Pappataci, dee dormir? dee dormire, mangiare, bere,? ber, dormire, e poi mangiar."?? Was es mit dem «Pappataci», dessen Obliegenheiten diese Verse umschreiben, in der Oper für eine Bewandtnis hat, braucht uns hier nicht zu beschäftigen; in ein kontradiktorisches Selbstgespräch wie diese Tafelmusik passt die wörterbuchgetreue Uebersetzung «Trottel» vortrefflich, und wenn wir zudem etymologisch bedenken, dass «pappa» auch «Mus» bedeutet, dann ist gar das Birchermüesli unversehens in den Sinngehalt miteinbezogen. Die Komposition wurde im Auftrag des Verlages «Musik Hug» für die Festival Strings Lucerne und im Hinblick auf das Motto «Italien» der Luzerner Festwochen 1979 geschrieben.
Inhalt
- Variazioni frugali (Siebenmal Birchermüesli)
- Fantasia opulenta (Bei TISCH im HAUSE Rossini)